Hoffnung für Ökosysteme

Ok. Spätestens seit dem kürzlich veröffentlichten Biodiversitätsbericht wissen wir, dass wir auf gutem Wege sind, die Tierwelt und zahlreiche Ökosysteme zu zerstören.  Nicht nur, dass 1 Mio. Arten vom Aussterben bedroht sind, unser Handeln ist auch nicht besonders intelligent – berauben wir uns damit doch selber unsere Existenzgrundlage. „Wir sägen an dem Ast, auf dem wir selber sitzen.“ sagte dann auch kürzlich Umweltministerin Schulze. Es gibt aber auch andere Tendenzen und positive Beispiele, die Hoffnung geben!

Das ist der Stand der Dinge

Letztes Jahr sind 12 Mio. ha Regenwald zerstört worden. Das sind 30 Fußballfelder pro Minute. Seit 1989 gibt es in Deutschland 75% weniger fliegende Insekten, die u.a. für 80% der Bestäubung verantwortlich sind. 40% der Schmetterlingsarten in Deutschland sind laut dem NABU bereits

Robert Pittmann, Flickr, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/, nicht verändert

ausgestorben oder bestandsgefährdet. 550 Wildbienarten leben in Deutschland, die Hälfte davon ist heute vom Aussterben bedroht. Monokulturen großer Landwirtschaftsbetriebe haben Kleinbauern vertrieben, Pestizide werden großflächig gegen Insekten eingesetzt.  Drei Viertel der Naturräume auf den Kontinenten wurden vom Menschen verändert, zwei Drittel in den Meeren. Seit 1980 hat sich die Plastikmüllverschmutzung verzehntfacht, Schwermetelle, Gifte und andere Abfallstoffe belasten die Gewässer zusätzlich. Der kürzlich veröffentlichte erste Biodiversitätsbericht konstatierte weiter, dass von den geschätzten 8 Mio. Tier- und Pflanzenarten bereits 1 Mio. vom Aussterben bedroht ist. Das Ausmaß des Artensterbens war in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute – man spricht mittlerweile von dem sechsten großen Massensterben. Das letzte fand zu Zeiten der Dinosaurier vor 65 Mio. Jahren statt. Wir leisten ganze Arbeit. Es steht also nicht gut um die Tierwelt und um die Ökosysteme. Und damit auch nicht um uns.

Kann die große Politik helfen?

Der Appell der Wissenschaftler und die Bekenntnisse der Politiker sind uns bekannt. Wir kennen sie von anderen großen Themen: noch sei es nicht zu spät, wir müssen aber sofort handeln. Auf allen Ebenen, von der lokalen bis zur globalen. Fundamentale Veränderungen sind gefordert. Es gäbe Papiertiger – auch in Deutschland und Europa – , die aber keine großen Veränderungen gebracht hätten. Der Biodiversitätsbericht fasst etwa 15.000 Studien und andere Fachartikel zusammen. Die Wissenschaft hat geliefert, jetzt ist die Politik am Zuge. Von den Politikern hört man, die Situation sei erschreckend, alarmierend und man müsse sofort handeln. Eine schöne Formulierung gab es auch von unserer Umweltministerin: „Der Frühling ist stumm geworden.“ Wie es sich gehört, wird es 2020 eine große Konferenz in China geben, auf der die Eckpunkte für einen weltweiten Artenschutz festgelegt werden sollen. 

Auf die internationale Politik wird man sich nicht verlassen können. Es wird ein Papier geben und es werden Bekenntnisse abgegeben werden. Dann wird sich ein bisschen was ändern – bei dem einen Land mehr, bei dem anderen weniger. Dann werden die Wissenschaftler sagen, es reicht nicht, es wird einen weiteren Bericht geben, auf dem eine Konferenz mit einem Papier folgt, usw. Das wird dann die nächsten Jahrzehnte so weiter gehen…

Wer kann das Ruder rumreißen?

Aber lamentieren und den Kopf in den Sand stecken hilft ja auch nicht.

Veränderungen in Brasilien durch Instituto Terra
Foto: Facebook

Wie in jedem Bereich gibt es viele positive Dinge, die im Kleinen wie im Größeren umgesetzt werden. Und darauf müssen und können wir bauen. Der brasilianische Fotojournalist Sebastiao Salgado hat mit seiner Frau und der gegründeten NGO Instituto Terra bspw. aus seiner gerodeten Heimat innerhalb von 20 Jahren wieder ein Naturparadies geschaffen! 20 Millionen Bäume wurden gepflanzt! Fast 300 verschiedene Baumarten wurden wieder heimisch, Vögel, Reptilien, Säugetiere und Fische sind zurück gekehrt. Aus einer Idee eines 19 Jährigen Holländers wurde mit „The Ocean Cleanup“ das bislang ernstzunehmendste Projekt, die Ozeane vom Müll zu befreien. WDR 2 hat mit den Bienen einen aktuellen Themenschwerpunkt. Es wird die bienenfreundlichste Schule gesucht, drei verschiedene Bienenstöcke werden umfangreich, auch mit Live-Cams, begleitet. Sehr beeindruckend die Seite – schaut mal rein! Immer mehr Kommunen gestalten ihre Städte insektenfreundlich, sei es durch Straßenbepflanzungen oder neue Parkkonzepte. Wildgärten gelten nicht mehr nur als ungepflegt, sondern als nützlich. 

Die Veränderungen müssen von unten kommen. Die Politik ist zu träge und die Wirtschaft hat andere Interessen. Lokal wird es Verbesserungen geben. Davon bin ich überzeugt. Das Bewusstsein in der Gesellschaft für Umwelt- und Tierschutz steigt immer mehr. DIE GRÜNEN wurden früher wegen ihren ständigen Umweltthemen vielfach belächelt – heute wird kein vernünftiger Mensch mehr sagen, dass Umweltschutz nicht eins der drängendsten Themen ist. Die nächsten Wahlen werden es zeigen. Erst wenn der gesellschaftliche Druck steigt, Themen öffentlich gesetzt werden und die Wahl der Konsumenten in eine entsprechende Richtung deutlich ausschlägt, werden sich Politik und auch die Wirtschaft ändern.

Wenn Milliardäre hunderte Millionen Euro für Notre Dame innerhalb kürzester Zeit locker machen können (s. Blogbeitrag), so hoffe ich, dass viele dem Beispiel Salgados folgen. Wenn ein junger Mensch seine Vision von müllfreien Ozeanen mit beachtlichen Erfolgen versucht umzusetzen, so hoffe ich, dass die internationale Gemeinschaft solche und andere Ansätze finanziell fördert. Wenn Parkanlagen hier um die Ecke umgestaltet werden, so hoffe ich, dass auf die vielen Wünsche der Anwohner mit insektenfreundlichen Maßnahmen reagiert wird.

Und damit in 10 Jahren unsere Windschutzscheiben im Sommer wieder regelmäßig von Insekten befreit werden müssen, hier noch einige Tipps, die jeder umsetzen kann:

Was kann jeder tun?

  • weniger Mähen – Grünzeug auch mal wuchern lassen
  • Pflanzen von insektenfreundlichen heimischen Wildblumen, wie Krokusse, Schneeglöckchen oder Hyazinthen
  • Nisthilfen für Insekten schaffen, Insektenhotels
  • Unterstützung ökologischer Landwirtschaft und Kauf von Bio-Lebensmittel
  • Auf giftige Mückensprays verzichten

https://www.quarks.de/umwelt/tierwelt/das-kannst-du-gegen-das-insektensterben-tun/ 

httpS://www.utopia.de/ratgeber/insektensterben-tipps-helfen 

 

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